Ausgezeichnete Urlaubsideen

Sonntag Aktuell Touristikpreis: Fünf Veranstalter sind mit ungewöhnlichen Reiseideen aufgefallen.
Diese Zeitung zeichnet sie für ihre stimmigen Konzepte aus.


Von Dorothee Schöpfer

Zwei Wochen lang zwischen Pool und Büfett zu pendeln, das mag erholsam sein. Besonders originell ist diese Urlaubsform nicht. Und auch ziemlich austauschbar: Die meisten Ferienanlagen der sogenannten Warmwasserziele sind sich zum Verwechseln ähnlich. Die Jury des Sonntag Aktuell Touristik- Preises hat sich dagegen auf die Suche nach der etwas anderen Reiseidee gemacht.
Ein exotisches Ziel allein ist dabei noch keinen Preis wert. Sicher hört es sich erst einmal spektakulär an, die Namib-Wüste auf Tourenskiern zu durchqueren. Doch ob sich für diese Reiseidee mehr als eine Handvoll Extremsportler begeistern? Die Sonntag Aktuell Touristik-Preisträger 2010 muten ihren Gästen keine übermenschlichen Anstrengungen zu. Doch dafür warten die ausgezeichneten Veranstalter mit einer stimmig konzipierten Reise auf, die den Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben wird.

Beluga School for Life Charity Travel. Das Entsetzen war groß. Die Hilfsbereitschaft auch. Als im Dezember 2004 das tödliche Ausmaß der Tsunami-Flutkatastrophe bekanntwurde, wollte auch der Bremer Reeder Niels Stolberg etwas tun und hat in der Nähe von Khao Lak ein Kinderdorf gegründet. In der Beluga School for Life in Thailand leben heute 150 Kinder zusammen mit 70 Erwachsenen. Viele von ihnen sind Tsunami-Waisen, manche leben dort,umder Not und Gewalt in ihrem Zuhause zu entkommen.
An das Dorf angegliedert ist ein Gästebereich mit komfortabel ausgestatteten Bungalows, einem einladenden Pool – und der Möglichkeit, sehr persönliche Einblicke in dieses besondere thailändische Dorfleben zu bekommen. „Erholen und helfen“ ist das Motto der Urlauber, die sich in die Kunst der thailändischen Küche einweisen lassen können, die Lektionen im Thai-Tanz bekommen, die auf Dschungeltour und zum Elefantenreiten mitgenommen werden. Längst ist das Lachen in das Dorf zurückgekehrt, sagt Yurena Grantz, die in Deutschland für den touristischen Teil des Projekts zuständig ist. Gebucht werden können mehrwöchige Pauschalen genauso wie kurze Aufenthalte.
Die Jury lobt, dass die Einnahmen aus dem Tourismus zurück in das Hilfsprojekt fließen, und zeichnet die vielfältigen Aktivitäten aus, die den Urlaubern angeboten werden.

Mallorca Sportiv: Schatzkästlein. Mallorca ist alles andere als flach. Im Gegenteil, dort trainieren in den Wintermonaten sogar Profis für die Tour de France. Radfahrer mit wenig Kondition sollten die Insel also besser meiden. Der Veranstalter Mallorca Sportiv nimmt jetzt aber auch diejenigen mit, die es auf dem Rad eher gemütlich angehen lassen. Bei der einwöchigen Reise „Mallorca Schatzkästchen“ können die Gäste Pedelecs mieten, also Fahrräder mit Elektromotor. Nicht dass diese Räder von allein den Berg hochfahren. Doch auf einem E-Bike fühlt man sich, als käme einem ein starker Rückenwind zu Hilfe, so Bettina Funke von Mallorca Sportiv. Die geführte Etappenreise geht auf verkehrsarmen Nebenstrecken durch den flachen Südosten der Insel, durch die Hügellandschaften der Inselmitte und durch die Bergwelt der Tramuntana. Jeden Tag werden zwischen 40 und 60 Kilometer geradelt.
Der Jury gefällt, dass diese Inselerkundungsreise eine aktive Alternative zur Mietwagentour ist und mit dem Einsatz des Pedelecs auch Genussradler zum Zug kommen.

OneWorldReisen mit Sinnen: Das Wattenmeer. Meeresgrund trifft Horizont. Friesennerz und Gummistiefel gehören ins Gepäck bei der Reise ins Weltnaturerbe Wattenmeer. Denn die Teilnehmer sind auf dem Rad oder strandwandernd an der Nordsee unterwegs – mitunter auch ohne Schuhe. Man muss schon einmal barfuß bis zu den Knien durchs Watt gestapft sein, um zu erkennen, wie dicht der unscheinbare Meeresboden mit Muscheln, Krebsen und Wattwürmern besiedelt ist. Die Reiseroute verläuft zwischen Prielen, Salzwiesen, Dünen, Inseln und Halligen. Auch die Städtchen Husum, Dagebüll, Pellworm und Eiderstedt stehen auf dem Programm. Die einwöchige Reise wurde zusammen mit dem World Wildlife Fund (WWF) entwickelt, der schon seit Jahren für den Schutz dieses einzigartigen Ökosystems aktiv ist. Der Leiter des örtlichen WWF-Büros, Hans-Ulrich Rösner, berichtet den Teilnehmern über die Arbeit in dieser großartigen Landschaft. Das Programm am Abend steht auch ganz im Zeichen des Wattenmeers: Wenn etwa bei einer nächtlichen Fackelwanderung am Strand Lyrik von Theodor Storm vorgetragen wird.
Der Jury hat sich diese Reise durch die Kooperation mit dem WWF sowie auch durch das kompakte Programm im neu ernannten Weltnaturerbe empfohlen.

Inselhüpfen: Erlebniskreuzfahrt für Familien. Der Sohn will schwimmen, die Tochter ihr Buch fertig lesen, die Mutter einen Bummel durch die Altstadt machen und der Vater einfach nur losradeln. Und jetzt? Einfach mal schauen, was sich bei der blauen Reise auf der hölzernen Zweimast-Motorjacht MS San Snova so tut. Die Erlebniskreuzfahrt für Familien entlang der Küste von Süddalmatien in Kroatien bietet Möglichkeiten für alle. Die großen und kleinen Gäste dürfen täglich selbst entscheiden, ob sie an Bord bleiben wollen, um ab und zu ins blaue Meer zu springen, oder ob sie lieber eine der zahlreichen Piratenburgen erkunden, eine Radtour durch Lavendelfelder unternehmen, raften gehen oder einen Kaffee an der Promenade im Hafenstädtchen trinken möchten. Das Schiff hat 14 Kabinen, übernachtet wird in kleinen Buchten, Leihräder sind an Bord.
Die Jury sagt: Die Reise ist eine gelungene Verbindung verschiedener Aktivitäten für die ganze Familie in einer bemerkenswerten Ferienregion.

Fribourg Tourisme: Stadtgolf. Die Altstadt von Fribourg ist eine der am besten erhaltenen in der Schweiz. Auch die Lage der Unistadt auf einem Plateau über der Saane ist einmalig. Man könnte jetzt einfach einen Stadtplan zur Hand nehmen, um Fribourg zu erkunden. Die Schweizer haben jedoch eine sportliche Variante für Stadtentdecker parat: das Stadtgolf. Ein sieben Kilometer langer Parcours führt vorbei an alten Brücken, Kapellen und Gässchen. An 18 Stellen in der Stadt gibt es eine Abschlagplattform mit Kunstrasen, die Schläger und den roten Ball leiht man sich bei der Touristinfo aus. Das persönliche Handicap ist kein Handicap, auch wer nur eine Minigolf-Platzreife hat, darf mitspielen. Von Unfällen durch fliegende Golfbälle weiß Cédric Clément von Fribourg Tourisme nichts zu berichten. Nur vom Erfolg dieser Idee einer ehemaligen Praktikantin des Tourismusbüros: Im ersten Halbjahr 2009 haben 2200 Besucher den Schläger in der Altstadt von Fribourg geschwungen.
Die Jury fand die Idee einer Stadtführung mittels Golfparcours besonders originell.

Bilder der Preisverleihung >>

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Ausgewählte Hoteladressen


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